Warum ich als Journalist oft meinen Beruf verschweige

Tilman Lochmüller
Sonntag, Oktober 22, 2017

Es gibt diese Situationen: Wenn ich beim Reisen ein Flughafenvisum ausfüllen muss, man beim Smalltalk gefragt wird oder jetzt zuletzt, als dieses fünfjährige Mädchen, Tochter einer Bekannten, vor mit steht: „Was machst Du von Beruf“, fragt mich die Kleine. „Fotograf“, antworte ich. Bei anderen Gelegenheiten sage ich auch „Webdesigner“ oder „Inhaber einer kleinen Agentur für digitale Kommunikation und Content“ – wenn ich versuche, genauer zu sein. Stimmt alles, ist aber nicht die ganze Wahrheit. Denn der Beruf, den ich gelernt habe, und den ich immer noch ausübe, ist Journalist. Früher hätte ich das mit Stolz gesagt: „JOURNALIST“. Heute zögere ich oft oder verschweige es ganz. Warum nur?  [...]

Straßenfotografie II: Über Techniken und die Fähigkeit, sich selbst zu überraschen

Tilman Lochmüller
Montag, April 17, 2017

Was macht gute Straßenfotografie aus? Ist es die Technik, die Herangehensweise oder die Location? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur: Wenn mich eine Fotografie innerlich berührt, mir vielleicht auch eine Geschichte erzählt und mich dazu noch ästhetisch reizt – dann ist es gute Fotografie. Mit welcher Technik sie entstanden ist oder mit welcher Kamera ist mir dabei völlig egal. Ich arbeite mit dem Material, das mir zur Verfügung steht. Experimentiere und improvisiere dabei. Eines habe ich dabei gelernt: Zeit ist oft der entscheidende Faktor. Und: Man sollte immer bereit sein, sich selbst zu überraschen. [...]

Despoten und das Internet oder warum "unfrienden" auch keine Lösung ist

Tilman Lochmüller
Donnerstag, Oktober 20, 2016

Despoten und Demagogen aller Länder haben ein Hobby, das sie vereint. Sie verbieten es Medien, frei über sie zu berichten – oder versuchen es zumindest. Wie jüngst Donald Trump, der Berichte in der New York Times bestrafen und verbieten lassen will, in denen mutmaßliche Opfer zu Wort kommen, die eigentlich nur das bezeugen, mit dem Trump selber vor Jahren während seiner „Lockerroom“-Fahrt mit Moderator Billy Bush geprahlt hat. Zuweilen wenden sich autoritäre Herrscher auch gegen das Internet, wie immer wieder in der Türkei, wo zeitweilig Twitter oder Youtube blockiert werden. Aber im Großen und Ganzen sind es die traditionellen Medien, die den Zorn der Tyrannen zu spüren bekommen – und das, obwohl sie ihre informelle „Gatekeeper“-Funktion eigentlich längst verloren haben. Warum also der Kampf gegen die freie Presse? [...]

Prince Roger Nelson, das Internet und der Dualismus der Dinge

Tilman Lochmüller
Montag, Mai 02, 2016

Es kommt mir fast wie ein Sakrileg vor: Ein überaus bedeutender Mensch stirbt schmerzlich überraschend und ich schreibe einen Blogartikel über ihn. Nein, ich will keine Klicks, weil zurzeit im Internet alles gelesen wird, wenn darin Prince vorkommt. Aber Kollegen schreiben über ihn und ein Aspekt hat mich mehr zum Nachdenken gebracht als üblich: Wie die Süddeutsche Zeitung (und auch ich, unmittelbar nach der Todesnachricht) feststellte (Warum Fans vergeblich nach Prince-Songs im Internet suchen), findet Prince‘ Werk im heute üblichen digitalen Umfeld (Youtube, Spotify etc.) wenig statt. Und das hat gute Gründe, die mehr transzendieren, als auf den ersten Blick deutlich wird. [...]

Blog-Restart: Auf zu neuen Ufern

Tilman Lochmüller
Freitag, April 01, 2016

Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich bin gelernter Journalist und habe noch nie wirklich gebloggt. Für viele Kolleginnen und Kollegen bei meiner alten Tageszeitung, der Gießener Allgemeinen, mag das nicht wirklich außergewöhnlich klingen. Aber für einen freien Journalist, der ich jetzt, im April 2016, seit über 16 Jahre bin,  ist das kein gutes Zeichen - es sei denn, man ist Radio- oder Fernseh-Reporter. Da hätte ich auch keine Zeit. Ich jedenfalls nehme mir jetzt die Zeit und nenne das Projekt optimistisch "Media Weekly". [...]

Ist Journalismus eine private Angelegenheit?

Tilman Lochmüller
Dienstag, Juli 23, 2013

2010 war ein für den Journalismus denkwürdiges Jahr. Erstmals in der Geschichte der wichtigsten US-amerikanischen Medien-Auszeichnung, des Pulitzer-Preises, gewann eine Online-Publikation die goldene Medaille: der Internet-Dienst ProPublica. Und zwar mit einem Artikel über die Arbeit in einem Krankenhaus in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Ebenfalls bemerkenswert, insbesondere für deutsche und europäische Journalisten: ProPublica ist kein Medienunternehmen sondern eine Non-Profit-Redaktion, eine gemeinnützige Nachrichtenorganisation, vor sechs Jahren von einem Milliardärs-Ehepaar gegründet. [...]

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